Schiffbau-Studium unter Druck: Nachwuchsmangel gefährdet Schlüsselbranche

Sinkende Studentenzahlen, unbesetzte Professuren und strukturelle Veränderungen in der Hochschullandschaft setzen den Schiffbau-Studiengang in Deutschland zunehmend unter Druck. Besonders an der Technischen Universität Hamburg steht der Bachelorstudiengang vor einer ungewissen Zukunft.
(© Fachschaft Schiffbau TUHH)

Studierende warnen vor diesem Hintergrund vor weitreichenden Folgen für die maritime Industrie und versuchen gleichzeitig, selbst gegenzusteuern.

Die maritime Branche – zu deren essenziellen Kern der Schiffbau gehört – zählt zu den Schlüsseltechnologien in Deutschland. Ihre Bedeutung reicht weit über wirtschaftliche Aspekte hinaus und betrifft auch sicherheitspolitische Interessen des Landes. Während die Politik immer wieder betont, den Schiffbau in Deutschland stärken zu wollen – etwa durch maritime Forschungsprogramme oder staatliche Bürgschaften –, zeichnet sich an anderer Stelle ein strukturelles Problem ab: der zunehmende Nachwuchsmangel.

Aus einer anderen Perspektive lässt sich diese Entwicklung auch als Professorenmangel beschreiben. Denn wie so häufig handelt es sich um eine klassische „Henne-Ei-Problematik“, mit der viele Hochschulen konfrontiert sind. Sinkende Studierendenzahlen reduzieren den institutionellen Anreiz, Studiengänge oder Professuren langfristig zu erhalten. Gleichzeitig erschwert gerade diese unsichere Perspektive der Studienangebote die Gewinnung neuer Studierender sowie eine nachhaltige Außendarstellung und Werbung für den Schiffbau. Besonders deutlich zeigt sich diese derzeit an der Technischen Universität Hamburg (TUHH), wo der letzte eigenständige Bachelorstudiengang im Schiffbau in Deutschland, der noch an einer Universität statt an einer Fachhochschule angeboten wird, droht auszulaufen.

Generalisierung als Antwort auf Mangel 

Seit Jahren sinken dort die Studentenzahlen. Im auslaufenden Wintersemester haben sich lediglich zwölf Erstsemester im Fachbereich Schiffbau & Meerestechnik eingeschrieben. Vor zehn Jahren waren es noch 36, vor 20 Jahren sogar 67. Den Höchststand verzeichnete der Fachbereich ausgerechnet im Krisenjahr der Schifffahrt 2008/2009, als sich 94 Studienanfänger immatrikulierten.

Bundesweit reagieren Universitäten auf diese Entwicklung, indem sie Bachelorstudiengänge stärker generalisieren. Statt spezialisierter Schiffbaustudiengänge werden zunehmend Maschinenbaustudiengänge angeboten, während die Spezialisierung erst am Ende des Bachelors oder sogar erst im Master erfolgt. Für spätere Arbeitgeber kann dies jedoch bedeuten, dass Absolventen weniger spezifisch ausgebildet sind. Gleichzeitig führen sinkende Studierendenzahlen häufig zum Abbau von Professuren – was den Studiengang wiederum für potenzielle Erstsemester weniger attraktiv macht. An der TU Hamburg versucht die Fachschaft Schiffbau, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

In den letzten 25 Jahren ist die Zahl der Studenten im Fachbereich Schiffbau und Meerestechnik deutlich gesunken (© Fachschaft Schiffbau TUHH)

Drei Professuren vor ungewisser Zukunft

Derzeit stehen dort drei Professuren kurz oder mittelfristig vor einer ungewissen Zukunft. Am Institut für Fluiddynamik und Schiffstheorie ist die leitende Professur mit Ablauf des laufenden Wintersemesters entfallen und bislang nicht nachbesetzt worden. Am Institut für Entwerfen von Schiffen und Schiffssicherheit wird der derzeitige Lehrstuhlinhaber 2030 voraussichtlich pensioniert; eine Nachfolgeregelung ist bislang nicht vorgesehen. Am Institut für Konstruktion und Festigkeit von Schiffen ist der Professor dauerhaft beurlaubt, da er bei einer anderen Forschungseinrichtung tätig ist – somit befindet sich diese Professur in einem ungewissen Schwebezustand bezüglich einer Nachbesetzung. 

Die Fachschaft steht hierzu im Austausch mit dem Präsidium der Universität und hat die Problematik mehrfach adressiert. Konkrete langfristige Lösungen seien bislang jedoch nicht präsentiert worden; diskutiert würden vor allem Übergangsmaßnahmen.

Aus Sicht der Studierenden hat der Nachwuchsmangel weitreichende Konsequenzen für die gesamte maritime Wirtschaft. Betroffen sind nicht nur Werften, sondern auch Klassifikationsgesellschaften, Reedereien, Ingenieur- und Designbüros, die maritime Zulieferindustrie sowie Offshore-Unternehmen. Hinzu kommt ein grundlegendes Vertrauensproblem: „Man könne nicht guten Gewissens für einen Studiengang werben, dessen Studierbarkeit von der Hochschule nicht dauerhaft gewährleistet werde“, so die Fachschaft Schiffbau TUHH.

Studenten solidarisieren sich

Um dennoch gegenzusteuern, engagieren sich die Studenten selbst verstärkt für ihren Studiengang. Sie betreiben aktive Nachwuchsarbeit, besuchen Schulen, um Schüler für den Schiffbau zu begeistern, organisieren Messeauftritte und nutzen soziale Medien, um auf das Fach aufmerksam zu machen. Dabei arbeiten sie eng mit anderen schiffbaulichen Hochschulstandorten zusammen.

Da das Problem nicht allein die TU Hamburg betrifft, haben sich Studierende verschiedener Hochschulen mit Schiffbau-Studiengängen zum gemeinsamen Netzwerk „Schiffbau Campus Deutschland“ zusammengeschlossen. Ziel ist es, das Fortbestehen weiterer maritimer Studienangebote in Deutschland zu sichern. Unterstützt wird das Netzwerk von der Schiffbautechnischen Gesellschaft (STG) sowie dem Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM).

Geplant sind gemeinsame Auftritte auf Jobmessen und Aktionstagen für Schüler, die Wiederbelebung von Formaten wie der „Maritimen Nacht an der TUHH“ sowie eine stärkere Präsenz bei Großveranstaltungen wie dem Hamburger Hafengeburtstag, etwa im Wissenschaftsdorf. Zudem sollen regelmäßig Social Media Kanäle wie TikTok, Instagram und YouTube bespielt werden, über die sich die jungen Menschen vermehrt über das Studium informieren. 

„Das Schiffbaustudium ist etwas ganz Besonderes. Neben dem fachlichen Inhalt wird es vor allem durch unseren Zusammenhalt und die zahlreichen Traditionen geprägt und das darf nicht verloren gehen. Wenn die Zahl der Studierenden weiter sinkt, trifft das nicht nur uns, sondern langfristig auch die gesamte deutsche Wirtschaft. Deshalb brauchen wir jede Unterstützung, am einfachsten in Form von finanzieller Hilfe und Bildmaterial“, so der Appel der Vertreter der Fachschaft Schiffbau TUHH.

Weitere Infos zum Schiffbau Campus Deutschland sowie zu den Kontaktmöglichkeiten sind über die Website schiffbaucampus.de zu finden. 

Die Fachschaft Schiffbau kämpft für den Erhalt ihres Studiengangs
Die Fachschaft Schiffbau kämpft für den Erhalt ihres Studiengangs (© Fachschaft Schiffbau TUHH)
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